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Toskana
Umbrien, Marken

vom 15.03. bis 30.03.2001

Im Vorfeld:

Samstag, 09.12.2000

Unsere Entscheidung ist endgültig gefallen, ab heute heißt es “italienisch lernen” - denn wir werden im März 2001 eine Rundreise mit dem Wohnmobil durch die Toskana starten. Diesmal mieten wir einen Hymer Swing 544 - Luxusklasse für zwei Personen vom Platzangebot her und zu dieser Reisezeit supergünstig. Noch 14 lange Wochen bis zur Abreise, aber es gibt ja genug zu tun. Neben dem Beschaffen und Lesen der notwendigen Reiseführer ... bietet uns “Onkel ALDI”  auch noch einen interaktiven Fremdsprachentrainer auf CD-ROM für italienisch an. Gekauft - installiert - geübt.
Wir wollen jedoch keine Kunst- und Kulturreise unternehmen, sondern Land und Leute und die örtlichen Genüsse kennenlernen. Drum versuchen wir das WoMo einen Tag früher zu bekommen - klappt auch - und diesmal beginnen wir unseren Urlaub so, wie es zum Ende der Provence-Reise (zunächst) nicht geklappt hat.

Donnerstag, 15.03.2001

Wir beginnen die Toskanareise mit einem Fondueessen in Sessenheim (Elsass) im Restaurant “Auberge au Boeuf”  - das WoMo direkt beim Feuerwehrgerätehaus abgestellt, ein ruhiger Stellplatz in 100m Entfernung vom Restaurant.

Freitag, 16.03.2001

Schon gleich in der ersten Nacht durchbricht ein schmerzerfüllter Aufschrei die Nachtruhe. Erich hat sich im Dunkeln in der noch ungewohnten Umgebung (aus dem Alkoven runterklettern) den Fuß angestoßen - am nächsten morgen leuchtet ein Zeh in kräftigem blau-grün-rot ! Es gibt aber auch einen Lichtschalter im Alkoven. [Zuhause stellt sich raus, dass der Zeh gebrochen war]. Nach WoMo-Frühstück und Katzenwäsche beginnt nun unsere eigentliche Tour über Strasbourg und Mulhouse Richtung Geneve. Ab Champagnole ist uns die Umgebung noch etwas vertraut von der Provencereise. Kurz vor Morez sichten wir die ersten schneebedeckten Berge und plötzlich sind wir dann auch schon mitten im Schnee und das bei allerschönstem Sonnenschein. Gleich hinter Grenoble befahren wir nun wieder die Route Napoléon (N85) bis Gap und hier auf die N94. In Chorges übernachten wir auf dem gut ausgeschilderten und kostenlosen WoMo-Stellplatz. Morgen wollen wir Bella Italia und das Meer erreichen.

Chorges - Stellplatz
Masif de la Dole

Samstag, 17.03.2001

Nach einer regenreichen Nacht lassen sich aber schon bald die ersten Sonnenstrahlen blicken. Heute werden wir mal die Borddusche einem Test unterziehen. Ich zuerst, was Erich dann durch die längere Aufheizzeit wesentlich wärmeres Wasser bescherte. Testergebnis: Ganz passabel, etwas ungewohnt - aber gut. Gegen 9 Uhr starten wir über die D3 entlang des Lac de Serre-Poncon. Bild Weiter auf der D900 mit Kurs Italien über den Col de Larche (1997m). Auf halber Höhe fängt es an zu regnen, es wird deutlich kälter und schon bald die ersten Schneefelder. Der Regen geht in Schnee über und am Gipfel ist die Straße leicht schneebedeckt, aber kein Problem. Wir sind in Italien. Bild Kurvenreich gehts bergab und in Borgo San Dalmazzo geht die Superstrada 20 (SS20) in eine bahndammähnliche Schotterstraße über, entlang des Gesso-Flusses - warum auch nicht. Bild Über die SS546 erreichen wir die Autostrada A6, die wir kurz hinter Savona bei Albisola wieder verlassen.

Hier können wir den ersten Blick auf`s Meer werfen, fahren weiter entlang der Via Aurelia (SS1) bis Génova, immer an der Küste entlang. Die Fahrt durch Génova dauert 40 Minuten, ohne dass wir dieser Stadt etwas Schönes abgewinnen können. Richtung La Spezia erreichen wir Monéglia im Gebiet der Cinque Terre, finden auf Anhieb aber keinen geeigneten Stellplatz und wollen es deshalb in Sestri versuchen - 10 Km der Küste entlang zurück. Geduldig warten wir in einer Autoschlange ca 10 Minuten vor einer Ampel. Dann des Rätsels Lösung für die lange Wartezeit (der tatsächliche Rythmus ist noch viel länger): Die ganze Strecke ist eine einspurige, unbeleuchtete Tunnelstraße mit ganz kleinen Unterbrechungen. Kein schönes Fahrgefühl (beim ersten Mal). Aber es geht auch gleich wieder zurück, da Sestri stellplatzmäßig auch nichts zu bieten hat. Also lassen wir uns in Monéglia an einem Bach unter einer Eisenbahnbrücke nieder. Ein Traum-Stellplatz !! :-) Das eigentlich geplante Essen beschränkt sich auf ein Panini (Brötchen) und eine Foccacine (kleines Fladenbrot), beides mit Prosciutto (gekochter Schinken), einmal kalt und einmal warm. Mehr gab`s in dieser Pizzeria nicht. In einer Bar nehmen wir noch einen Cappuccino und den ersten Caffe corretto. Das war der erste Italientag !

Sonntag, 18.03.2001

Unser Frühstück wollen wir angesichts der “Idylle” etwas außerhalb einnehmen. Über die Autostrada verlassen wir Ligurien und bei Marina di Carrara befinden wir uns nun in der Toscana. Wir fahren in eine Straße hinter dem Hafen, der Strand ist bedeckt mit Marmorstückchen. Hier gibts Frühstück und wieder die ersten warmen Sonnenstrahlen. Hier haben wir auch unseren Tourenplan kräftig geändert. An der Küste ist ein schmaler “Lichtblick” mit Sonnenschein, der Wind treibt die Wolken ins Landesinnere und da bleiben die Regenwolken an den Bergen hängen und regnen sich aus. Wir besuchen nicht das Marmorgebiet im Hinterland im Regen, sondern bleiben am wolkenfreien Strand. Durch Marina di Massa und Forte dei Marmi kommen wir nach Viaréggio, einem beliebten Badeort der Versilia, der “Copacabana der Toskana”. Im Yachthafen herrscht schon reges Treiben, es ist Sonntag und italienische Familien machen ihren Spaziergang bei windgeschützt 25 °C.   Bild Um für den Rest des Tages das “Dolce far niente” (das süße Nichtstun) zu üben, heißt es nun einen Stellplatz zu suchen, zuerst in Marina di Pisa, dann in Livorno, der größten Hafenstadt der Toskana. Am Eingang zum Hafen (Stazione Marittima), bei der Fortezza Vecchia, starten wir ein Fotoshooting rund um die alte Festung. BildBild. Da wir hier keine Entsorgungsmöglichkeiten haben, wollen wir weiter nach Marina di Cécina. Die Fahrt durch Livorno ist recht  turbulent, die Küstenstraße gleicht einem Rummelplatz. Offensichlich ist die komplette einheimische Bevölkerung auf den Beinen, im Auto oder auf der Vespa unterwegs. In Cécina finden wir schließlich den im Tourenbuch beschriebenen Stellplatz am Ortsrand (im März noch gebührenfrei, ab April 10.000 Lire am Automat) mit Ver- und Entsorgung.

Hafenanlage von
Marina di Carrara

Marina di Massa

Bürgerhäuser in Livorno

Anmerkung:
Hier haben wir zum ersten Mal eine Unsitte beobachten müssen. Meist ist nur ein Wasseranschluß vorhanden. Der Stutzen des Chemoklos muß zum Nachspülen nicht über den Wasserhahn gestülpt bzw. das Schlauchstück nicht in den Stutzen gesteckt werden. Es geht auch anders, schließlich will man ja aus dem gleichen Wasserhahn Frischwasser tanken !!!

Zum Essen gehts in den Ort, gleich am Ortsanfang ist ein ansehnliches Lokal. Wir bestellen eine Pizza und eine Schiacciatino (ist ähnlich wie eine Pizza calzone, nur ohne Tomaten). Rasend schnell (es ist 20 Uhr) füllt sich das ganze Lokal, dann werden Gäste abgewiesen bzw. bleiben auf einen freien Tisch wartend am Eingang stehen. Es herrscht ein

Palawer wie auf einem Bahnhof, aber es ist trotzdem gemütlich und das Essen und der Rosso Montepulciano sind ausgezeichnet (Pizza ist eben doch nicht gleich Pizza). Dann gehts hemm, der Tag ist gelaufen. Buona notte.

Montag, 19.03.2001

Es scheint ein schöner Tag zu werden und wir wollen deshalb am Meer bleiben und das Küstengebiet der Maremma Pisana unter die Lupe nehmen. Wir kommen durch den Torbogen der Burg Gheradesca in das mittelalterliche Weindorf Bolgheri, das inmitten von Olivenhainen und Weinfeldern liegt.

Vom Dorf weg in Richtung Castagneto führt eine bilderbuchartige Zypressenallee, die schönste und mit fünf Kilometern die längste und berühmteste Zypressenallee Italiens. In Castagneto legen wir eine Pause ein. Eine Rundwanderung durch das Dorf beschert uns zahlreiche Fotomotive: Ausblick aufs Meer, kleine aparte Gässchen und alte Gemäuer. Kaffeegestärkt kutschieren wir dann weiter durch die hier sehr typische toskanische Landschaft mit Oliven- und Mandelbäumen, Weinreben und Zypressen. Ganz anders als am Meer, obwohl wir nur 6 Km

davon entfernt sind. Nächstes Ziel ist Populonia. Wir befahren die sehenswerte Strecke über Sasetta und Suvereto und kommen durch ein schönes Waldgebiet mit zahlreichen Korkeichen. Wir nähern uns wieder der Küste, der Riviera degli Etrusci, erreichen den Golfo die Baratti und

schließlich den ehemaligen Etruskerhafen Populonia. Auf dem (noch gebührenfreien) Parkplatz am archäologischen Park legen wir die nächste Pause ein. Ein Spaziergang am Sandstrand bietet einen herrlichen Blick über den Golf von Baratti. Richtung Süden, davon 8 Km lang durch einen schönen Pinienwald, kommen wir nach Marina di Grosetto. Hier gedenken wir unser Nachtlager auf dem Stellplatz “Tre Stelle” aufzuschlagen, nur durch Dünen vom Strand getrennt. Dem Platz können wir (zu dieser Jahreszeit) aber nichts Berauschendes abgewinnen. Weiter geht es durch den Parco Naturale della Maremma, verlassen bei Albinia die Via Aurélia Etrusca, um über eine schmale Landzunge zu dem auf einem Wall liegenden Ort Orbetello, inmitten der Laguna di Orbetello, zu fahren. Diese Lagunenstadt bietet Reisemobilisten gleich mehrere Standplätze mit Meerblick (zumindest außerhalb der Saison) und einen davon, direkt an der Befestigungsmauer am Ortseingang (von der Halbinsel kommend) nehmen wir dann auch gleich in Beschlag. Es folgt ein (Einkaufs-) Bummel durch den Ort, gefolgt von einem WoMo-Abendessen mit allem was so dazugehört.

Dienstag, 20.03.2001

Schon früh kreischen die Möwen und bald dringt auch die Morgensonne durch die Dachluke unserer mobilen Behausung. Heute steht die Erkundung der Halbinsel auf dem Plan. Von Orbetello aus erreichen wir in wenigen Minuten den alten Fischerort Porto Santo Stefano, parken den Dicken am Friedhof und erkunden diesen angeblich so mondänen (aber sicher nur zur Urlaubszeit) Urlaubsort zu Fuß, einschließlich den gerade stattfindenden Markt. Erich ersteht hier eine vergleichsweise sehr teure Käsemühle aus Stahl (die aber unterwegs und mittlerweile zuhause ihr Geld wert ist !). Nun gehts zu einer Rundfahrt auf dem ausgeschilderten Panoramaweg. Wieder am Ausgangspunkt angekommen nehmen wir Kurs auf den kleineren Hafenort Porto Ércole. Wir fahren ins Dorf, verpassen aber den Abzweig zum “Porto”. Nach geglücktem Wendemanöver etwas weiter verwehrt uns ein Motorradpolizist allerdings die Zufahrt zum Ort. Also nochmal wenden und immer der Nase lang weiterfahren. Es kommt zu einer abenteuerlichen, aber auch sehr sehenswerten Inselrundfahrt.

Die Straße schlängelt sich entlang der Küste, umrundet ganz das Argentariogebirge (635 m), doch plötzlich ist die Asphaltstraße zu Ende. Es geht weiter über einen schmalen und immer holpriger werdenden Schotterweg, die reinste Motocross-Strecke im ersten Gang.

Nicht auszudenken, was bei Gegenverkehr auf dieser etwa 5 Km langen Strecke gewesen wäre. Dafür aber herrliche Ausblicke auf die Felsküste. Schließlich landen wir wieder in Santo Stefano. Genug vom sightseeing kehren wir zurück nach Orbetello und stellen uns diesmal direkt zu der im Wasser stehenden Windmühle. [Natürlich müsste hier jetzt ein Foto sein, aber Saarländer und Fotoapparate scheinen ein Kapitel für sich zu sein. Ein ganzer Film ist nichts geworden - weil nicht richtig eingelegt. Zum Glück habe ich mit meiner Kamera das Wichtigste gerettet !] Jetzt ist erstmal Siesta angesagt, dann Bummeln und Abendessen. Leider müssen wir dafür den Regenschirm in Anspruch nehmen. Ess reent ! In der Osteria “Il Nocchino” genießen wir ein Fischmenue (jeder für sich) und dann ist Feierabend.

Mittwoch, 21.03.2001

Nun geht`s ins Hinterland der Toskana. Zunächst zurück auf`s Festland, steuern wir dann über Monciano die Therme von Saturnia an. Bei den natürlichen Wasserfällen mit schwefelhaltigem, körpertemperaturwarmen Thermalwasser steigt Erich sogleich in die Tuffsteinwannen und nimmt ein ausgiebiges Bad. Zu dieser Zeit wird das Parken bei den Ruinen des alten Badehauses, der nun doch schon recht zahlreich anwesenden WoMos, wohl geduldet. Die Besatzung eines Carabinieri-Streifenwagens unterhält sich angeregt mit italienischen WoMo-Reisenden, die reichlich vorhandenen Halteverbotsschilder (auch speziell für WoMos) scheinen nicht zu existieren. Zum Ver- und Entsorgen müssen wir jedoch den etwas oberhalb gelegenen Camperplatz aufsuchen. Nach Dusche und Frühstück auf dem (fast leeren) sportplatzgroßen Parkplatz fahren wir ein paar Meter runter zur Entsorgungsstation. Wie aus dem Nichts taucht sofort ein “Offizieller” auf und kassiert 15.000 Lire - übrigends das einzige Mal auf unserer Tour. Wir trösten uns damit, einen guten Beitrag zur Sanierung der Gemeindekasse geleistet zu haben. Die kurvenreiche und ansteigende Strecke führt uns nun Richtung Arcidosso. Angesichts des immer dichter werdenden Nebels verzichten wir auf die Tour zum Monte Amiata, ein erloschener Vulkan und mit 1738 m der höchste Berg der Toskana. Nächster Stop und wieder heraus aus dem Nebel ist in Castiglione d`Orcia, dann Pienza. Hier machen wir einen Streifzug durch die Altstadtgassen. Wir erstehen verschiedene Sorten des für diese Gegend typischen Pecorino (Schafskäse - je älter umso besser). In einer winzigen Weinstube machen wir Rast bei Bruschetta und Crostini - alles sehr lecker. Weiter durch die schöne Hügellandschaft des Val d`Orcia erreichen wir Montepulciano, berühmt für den “Vino Nobile”. Wir steuern gleich den leicht zu findenden Parkplatz P5 mit kostenloser Ver- und Entsorgung an. Da aber donnerstags Markttag ist, der ganze Platz dann gesperrt ist, wir aber eben diesen Markt besuchen wollen und nicht um 6 Uhr morgens auf neue Parkplatzsuche gehen wollen, studieren wir an einer Tafel am Busbahnhof den Stadtplan mit Parkmöglichkeiten. Hier spricht uns ein Holländer an und erklärt uns, wo wir beschaulich und sicher nächtigen können. Etwas oberhalb von Schule und Sportzentrum gibt es einen kleinen Platz, umgeben von Pinien und Kiefern, nur wenige Meter vom Marktplatz gelegen. Er selbst (der Holländer) steht hier in einem alten Mercedes-Camper schon seit einem Jahr und ist hier wohl heimisch geworden: “das Herz der Toskana ist Montepulciano”. Wie wir erfahren, hat big brother den Platz per Kamera im Visier - beruhigend aber auch ... Wir haben hier jedenfalls supergut gestanden. Für unser Abendessen haben wir uns schon beim Nachmittagsbummel ein Lokal ausgesucht, das Ristorante “Il Cantuccio”. Teuer aber gudd !

Donnerstag, 22.03.2001

Markttag in Montepulciano, das lassen wir uns nicht entgehen. Hier findet man alles, was für den Alltag so nötig ist, einschließlich die gegrillte Sau. Wir frischen unsere Vorräte mit Tomaten, rotem Chiccoree, Orangen (schmecken hier einfach besser als zuhause), parmigiano und salsiccette (Würstchen). Für Erich noch eine Jeans, den Rest kaufen wir dann in einem nahen Supermarkt, Wein, Wasser ....Unsere Richtung heute ist der Lago di Trasimeno. Unterwegs wollen wir ein entspannendes Bad in einer Therme in Chianciano, nicht weit von Montepulciano, nehmen. Doch leider weit gefehlt - in dem großen Kurort ist keine öffentliche Quelle zu finden, 

auch außerhalb des Ortes nicht - oder wir haben sie einfach nicht gefunden !? Etwa 2 Km hinter Chiusi befinden wir uns dann in Umbrien und nur ein paar Kilometer weiter erreichen wir Castiglione amTrasimenischen See, dem viertgrößten See Italiens.

Wir checken die reichlich vorhandenen Parkplätze und entscheiden uns für den Olivenhain unterhalb der Altstadtmauer und ca 100 Meter vom Schiffsanlegeplatz entfernt. Castiglione liegt auf einer Landzunge am westlichen Ufer des Lago di Trasimeno und besitzt eine zinnengekrönte Festung, die Rocca del Leone, und eine kleine reizvolle Altstadt mit schmalen Gassen und mächtigen Stadttoren.
Abendessen alla WoMo, cappucchino im Städtchen, dann ab in die Kiste.

Freitag, 23.03.2001

Im Lago di Trasimeno liegen drei Inseln, die zweitgrößte, die Isola Maggiore, wollen wir heute besuchen. Zu dieser Jahreszeit verkehren von Castiglione aus noch keine Fährschiffe, so daß wir nach Tuoro sul Trasimeno am Nordufer fahren, wo wir auch gleich ein Ausflugsboot erwischen,

das uns in wenigen Minuten zur denkmalgeschützten Insel schippert. Vom Schiffsanleger kommen wir auf die breite Dorfstraße des einzigen Ortes, die dann in einen Pfad übergeht und uns rund um die Insel führt. Die Insel scheint ein Paradies für Fasane und Hasen zu sein - es wimmelt nur so. Einheimische begegnen uns nur im Dorf - angeblich ein Fischerdorf - aber das war es wohl früher mal. Es scheint heute lediglich für den Tourismus instandgehalten zu werden. Bis das nächste Fährboot kommt dauert es noch hin und so ist siesta vor einer Bar im Sonnenschein angesagt. Während wir am Anleger auf unseren Dampfer warten, dürfen wir den Dreharbeiten zu einem Film über die Insel zusehen, der Regiesseur scheucht uns aber freundlich beiseite, er will uns partout nicht auf dem Film haben. Wieder zurück am Festland treibt uns der Hunger nach Cortona. Unschwer finden wir einen Parkplatz und starten zu einem Rundgang durch die auf 495 m Höhe liegende Altstadt. Wir lassen uns in einer gemütlichen Pizzeria nieder, es gibt Insalata mista, Spaghetti carbonara (natürlich für Erich) und Gnocchi con gamberetti e pesto und dazu natürlich Vino Rosso. Nach einem Verdauungsspaziergang über den Piazza della Republica mit dem Palazzo Communale und durch enge und steile Gassen kommen wir wieder zu unserem WoMo. Auf geht`s nach Arezzo, im Tal zwischen Arno und Tiber gelegen. Hier erleben wir Stadtleben pur: ein Mordsverkehr (natürlich mit italienischem Fahrstil), tausend Schilder (nur nicht die, nach denen man gerade sucht). Nur sehr schwierig finden wir den in unserem Tourenbuch beschriebenen Parkplatz (wir haben kein einziges Hinweisschild entdeckt) am Fuße der Stadtmauer unterhalb des Domes (gebührenfrei aber keine Ver- und Entsorgung). Und was wäre Bella Italia ohne seine Schilder - auch hier auf dem Parkplatz sind jede Menge davon plaziert, der Platz ist morgen von 8:00 bis 17:00 Uhr gesperrt. Warum ??

Arezzo -  Piazza Grande

Aber jetzt und über Nacht werden wir hier stehenbleiben und die Stadt erkunden. Auf unserem Streifzug stoßen wir auf die zum Verweilen einladende Piazza Grande, Mittelpunkt und Marktplatz der Stadt. 

Bei Cappucchino, kühlem Bier und herrlichem Sonnenschein pausieren wir unter den Arkaden des Palazzo delle Logge, ringsherum mittelalterliche Turmhäuser. Allerdings herrschen hier auch Großstadtpreise: das Bier 10.000 L und der Cappucchino 5.000 L (sonst 2.000 - 3.000, in Orbetello sogar nur 1.800 L). Aber das Ambiente ist wunderschön, auch wenn der livrierte Cameriere etwas blasiert erscheint, eben großstadtmäßig und wahrscheinlich auch prominenzgewohnt. Dieser Platz ist aber auch das Einzige was uns gut gefällt, ansonsten hält uns hier nur die Tatsache, daß morgen hier auf dem Platz Markttag ist.

Samstag, 24.03.2001

Sieben Uhr, auf dem Parkplatz tut sich nichts. Nach Frühstück und Morgentoilette, es ist 9 Uhr, regt sich immer noch nichts auf dem Platz. Unsicher, was wir tun sollen, parken wir das WoMo am Straßenrand und erklimmen den Hügel. Doch auf der Piazza Grande ist von Marktleben weit und breit nichts zu sehen ! Schade, wo wir doch gerade wegen des Marktes hierher gekommen sind. Schnurstracks laufen wir wieder zum Auto und ab geht`s zu einer Rundfahrt durch das Naturschutzgebiet der Monte Falterona Campigna. Wir durchfahren die Orte Bibbiena und Poppi, beide am Oberlauf des Arno im Casentino gelegen. In Pratovécchio nehmen wir lediglich die Entsorgungsstation in Anspruch (mit “Area attrezzata” ausgeschildert). Eine schmale Straße führt in die bewaldeten Höhenzüge der Falterona, hinauf zum Eremo di Camaldoni (1104 m), dann ist der Weg zum Passo Fangacci (1449 m) aus unerfindlichen Gründen gesperrt. Auf Umwegen, aber entlang einer reizvollen Strecke durch dichten Nadelwald kommen wir über den Passo di Mandrioli (1173 m) in Richtung Bagno di Romagna. Wir folgen der Superstrada bis Sansepolcro im oberen Tibertal, auch Valtipernia genannt. Mit ausgestreckten Beinen genießen wir für den heutigen Tag die Sonne, es sind wenigstens 25 °C. (Ausgeschilderter, gebührenfreier Stellplatz mit Ver- und Entsorgung an der Stadtmauer). Ein Bummel durch die Altstadt von Sansepolcro lohnt sich auf jeden Fall.

Sonntag, 25.03.2001

Viva il mare - wir kommen. Schnurstracks lenken wir unseren Camper Richtung Adriaküste, zuerst einmal die Serpentinenstraße hinauf nach Bocca Trabária. Hier befindet sich die Grenze zu den Marken, das Gebiet zwischen Adria und Apennin. Wir erreichen Urbino, Heimatort des Malers Raffael.

Eine wuchtige Stadtmauer zieht sich rings um den Altstadtkern aus überwiegend rotbraunen Backsteinhäusern und -türmen. Natürlich ist hier eine Ortsbesichtigung angesagt bevor es Richtung Rimini geht. Bei Casteldimezzo biegen wir auf die Küstenstraße ab und steuern Misano Adriatico an. Dieser Ort ist mir von früher bekannt, weshalb ich ihn nochmal besuchen will. Auf

der Suche nach einem Stellplatz stehen wir plötzlich vor einer Unterführung: 3 m, unser WoMo ist mit 3,10 m angegeben !  Augen zu und durch oder im dicksten Verkehr zurücksetzen ?  Ein hilfsbereiter Italiener nimmt uns die Entscheidung ab: mit Händen und Füßen und lautem Palawer dirigiert er uns durch die Unterführung - 3 m sind eben nicht gleich 3 m. Alle Parkplätze hier sind mit einer Schranke (2 m) versehen, so benutzen wir einfach einen großen, leeren Hotelparkplatz. Von der Terasse einer Bar schauen wir uns ein hier stattfindendes Motorradrennen an. Später, die Uferstraße ist wieder für den Verkehr freigegeben, suchen wir uns einen Stellplatz in Strandnähe.

In Riccione, gleich neben Misano gelegen, werden wir auch (natürlich im absoluten Halteverbot, was aber im März niemanden interessiert) gleich fündig. Schlafplatz mit Meeresrauschen. Am Abend gibt`s einen herrlichen Sonnenuntergang und ein köstliches Menue aus Meeresfrüchten im Obergeschoß eines Restaurants, dessen Satteldach zur Meerseite hin hochgeklappt ist.

Montag, 26.03.2001

Nach dem Frühstück mit Meerblick kurven wir durch Riccione, Pésaro und Fano. In Marotta frischen wir unsere Vorräte in einem Supermarkt auf und dann an einem ruhigen Strand ein zweites Frühstück. Allerdings will heute die Sonne nicht so richtig durchkommen und somit ist es etwas kühl. So nehmen wir die geplante Fahrt nach Mondávio etwas früher in Angriff. In dem historischen Örtchen, das auf einem

Hügel thront, machen wir uns auf dem Busparkplatz unterhalb der Stadtmauer (auch für WoMos gebührenfrei mit Ver- und Entsorgung) breit. Eine prächtige Aussicht auf das umliegende Land entschädigt uns für das entgangene Sonnenbad. Hier lassen wir nun mal die Seele baumeln und genießen einfach den Tag. Später gesellt sich ein zweites WoMo aus Alpirsbach zu uns. Ein bißchen

gefachsimpelt und ruckzuck ist die Zeit vergangen - Zeit fürs Abendessen. Bei “Al Gambino” nehmen wir ein ganz passables Touristenmenue zu uns: Spaghetti bzw. Ravioli, Tomatensalat und Gemüse, gegrilltes Fleisch, 1 l Rotwein, zwei Caffé und zwei Grappa - alles für 60.000 L. Die Nacht verläuft im Tiefschlaf.

Dienstag, 27.03.2001

Heute steht nochmals eine kleine Rundtour durch die Marken auf dem Programm. In Pérgola unternehmen wir einen Spaziergang durch den mit seinen zahlreichen uralten Häusern etwas museumshaft wirkenden Ort, der von den Italienern als Sommerferienort sehr geschätzt wird. Wir passieren Cagli und lenken den Hymer wieder Richtung Fano,

aber nur bis zur Abfahrt Acqualagna. Von hier aus wollen wir die kleine Landstraße durch die Furlo-Schlucht befahren. Wir verfahren uns aber total und befinden uns urplötzlich in Fermignano, westlich der angesteuerten Schlucht (dank der grandiosen Beschilderung). Wir fahren Richtung Fossombrone und schaffen es schließlich, durch die Gola de Furlo zu fahren. An einer Stelle müssen wir hupend durch einen gebogenen, einspurigen Tunnel - die Ampelanlage war ausgefallen. Die etwa 5 Km lange Strecke bietet für WoMos kaum Haltemöglichkeit und so war das Vergnügen schnell vorbei. Zurück führt uns die Superstrada durch einen 3391 m langen Tunnel. In Fossombrone, im Tal des Metauro gelegen, steuern wir den für Camper ausgewiesenen Parkplatz an (gebührenfrei, Wasser und Bodeneinlass vorhanden), nehmen eine kurze WoMo-Zwischenmahlzeit zu uns, fahren dann aber angesichts der Tatsache, dass es regnet (es schüttet)  wieder an die Adria nach Fano. Vergeblich suchen wir nach dem öffentlichen Parkplatz an der Via Kennedy - angeblich leicht zu finden. Wir fahren wieder aus der Stadt raus Richtung Rimini. In Gradara ist dann für

heute Schluß. Unterhalb der Burgmauern, auf dem großen, gebührenpflichtigen Parkplatz mit Ver- und Entsorgung, ist nun Ruhe angesagt. Eine Besichtigung von Italiens berühmtester Burg ist natürlich Pflicht. Da wir noch reichlich bevorratet sind und der Himmel schon wieder seine Schleusen öffnet, wird heute im WoMo geköchelt.

Was wohl, Spa... ! Ganz nebenbei haben wir heute bemerkt, daß inzwischen die Sommerzeit gilt - hat uns aber auch niemand gesagt !

Mittwoch, 28.03.2001

Langsam aber sicher heißt es nun, uns auf den Rückweg zu machen. Die erste Etappe Richtung Heimat soll uns an den Gardasee bringen. Die Sonne gibt heute morgen wieder ihr Bestes, scheint ein schöner Tag zu werden. Auf der Superstrada gehts zunächst nach Cesena, wo wir einen Stadtbummel eingeplant haben.

Nach vergeblicher Suche eines WoMo tauglichen Parkplatzes lösen wir für 10.000 L ein Ticket (links) für einen geschlossenen Parkplatz. Das Reinfahren klappt mit der Chipkarte auch problemlos - also gehts ins Städtchen.

Hier treffen wir auf den größten Markt unserer WoMokarriere, bei schönem Wetter ein buntes und lautes Treiben. Daneben noch eine große Halle mit Obst, Gemüse, Blumen und mehrere Fischgeschäfte mit herrlicher Auslage.

Aber wir müssen weiter. Doch das Verlassen des Parkplatzes stellt uns vor ein Problem. Erich hat sich mit dem WoMo bereits vor die Schranke gestellt und ich versuche dem Automaten die Chipkarte schmackhaft zu machen. Der will sie aber partout nicht, also werden alle Knöpfe gedrückt, dabei wohl auch eine Ruftaste. Sogleich ertönt eine Männerstimme - ich: “non capisco” und alle weiteren Versuche misslingen. Eine rausfahrende Autofahrerin kann sich noch zwischen das WoMo und den Automaten zwängen und, nach ebenfalls einigen Problemen öffnet sich die Schranke. Erich fackelt nicht lange und fährt einfach mit hinaus. Die Stimme aus dem Automaten schwillt zur Sirene an, sicherlich beobachtet der gute Mann alles über Video. Aber was soll man machen, ich habe nichts verstanden - zudem haben wir kein schlechtes Gewissen, wir haben schließlich 10.000 L bezahlt. Je nördlicher wir kommen, um so trüber wird das Wetter, schließlich erreichen wir die Regenfront. Von Verona aus geht es Richtung Milano bis zur Abfahrt Peschiera di Garda. Wir fahren am Lago di Garda entlang bis nach Garda. Hier ist nichts mehr “typisch italienisch”, im Lokal wird man schon mit “Guten Abend” begrüßt ... Allerdings ist die Landschaft trotz schlechtem Wetter sehr reizvoll.

Donnerstag, 29.03.2001

Regen - Regen -Regen !!! Nach gemütlichem Frühstück im wohligen, trockenen Heim zuckeln wir auf der Panoramastraße entlang des Sees, doch angesichts des trüben Wetters ist heute mit Panorama nicht viel drin - bestimmt aber schön zu fahren bei entsprechendem Wetter. In Riva di Garda decken wir uns nochmal mit italienischen Leckereien ein, vorallem auch mit Rotwein. Der Himmel hat ein kurzes Erbarmen, und so können wir noch einen kleinen Bummel durch die Parkanlage am Strand und den Hafen machen. Sehr schön ist dann die Fahrt bis Trento - nur der Sonnenschein fehlt.

Am kleinen Lago di Tobolino legen wir gegenüber des Castellos eine Verschnaufpause ein, bevor es über die Autostrada weitergeht bis Bolzano (Bozen) und dann weiter nach Meran. Nach einer kurzen Kreuzfahrt durch die Stadt, weist uns ein freundlicher Verkehrspolizist den Weg zum gebührenfreien Parkplatz am Bahnhof, wo auch Dickschiffe parken können. Die Kurstadt besitzt

eine ziemlich exclusive Einkaufsmeile aber irgendwie mit Charme - und wie im Saarland gibts “Würschtelbuden”. Den Bummel haben wir halbtrocken überstanden und jetzt am Abend schüttet es wieder. Zum Essen flitzen wir jetzt nur über den Parkplatz zu “Beatrice”, eine Familienpizzeria - Mutter und ihre beiden Töchter kümmern sich rührend um die Gäste, so ist auch der Andrang, ein stetes Kommen und Gehen. Uns hat es auch sehr gut geschmeckt !

Freitag, 30.03.2001

Steter Regen bereitet uns in der Nacht ein kleines WoMo-Dach-Konzert. Schon sehr früh wird es um uns herum unruhig. Auf einem abgesperrten Teil des Platzes findet heute Markt statt. Da wir aber noch eine weite Strecke vor uns haben und die Himmelsschleusen immer noch geöffnet sind, verlassen wir kurz nach sieben den Platz Richtung Heimat. Über die Brennerautobahn, im Gipfelbereich mit kräftigem Schneefall, kommen wir dennoch ohne Staus ganz gut voran. Um 18:00 Uhr sind wir zuhause.
Schade, daß schon wieder alles vorbei ist - ciao toscana !!

Köstliches aus der Toskana

unsere “Ausbeute”

Provence Sept. 2000

Mecklenburgische Seenplatte 2001

Sardinien 2002

Sardinien 2003

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